Acht Strategien für die digitale Zukunft

Bauunternehmen, die sich frühzeitig mit der Digitalisierung und deren spezifischen Herausforderungen auseinandersetzen, haben die Chance, die Lösung der Zukunft selbst mitzugestalten. Trends wie vernetztes und mobiles Arbeiten, Workflow-Management oder Cloud Computing zeigen den Weg.

Den meisten Bauunternehmern ist bewusst, dass die digitale Transformation eine der wichtigsten Herausforderungen der kommenden Jahre sein wird. Die Studie „IT-Trends in der Baubranche“, ein Gemeinschaftsprojekt der BRZ Deutschland GmbH und der FOM Hochschule für Oekonomie & Management, hat ergeben, dass das Bewusstsein für die Handlungsfelder der Digitalisierung gewachsen ist. Aber es gibt in diesem Bereich noch viel zu tun, Arbeitsabläufe müssen umstrukturiert werden. Das ist zwar leicht gesagt, bei der Umsetzung allerdings gibt es häufig Fragezeichen. Wo soll man anfangen? Was muss konkret digitalisiert werden?

Ganz allgemein steht die Digitalisierung für völlig unterschiedliche Aspekte, etwa Software-gestützte Prozesse in allen Bereichen. Modell- bzw. regelbasiertes Arbeiten gehört genauso dazu wie die Verwendung einer einheitlichen Datenbasis, ein Informationsaustausch ohne Medienbrüche sowie eine deutlich höhere Transparenz zum aktuellen Projektstand bei allen Entscheidungsträgern. Schaut man auf die Baubranche, lässt sich die Digitalisierung anhand von acht Faktoren ganz konkret aufzeigen.

1. Building Information Modeling 

Impulsgeber bei der Digitalisierung der Baubranche ist sicherlich Building Information Modeling (BIM) – oder auf Deutsch: Bauwerksdatenmodellierung. Dabei handelt es sich um eine Methode der optimierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden und anderen Bauwerken mithilfe von Software. Alle relevanten Bauwerksdaten werden digital modelliert, kombiniert und erfasst. Sicher kennen Sie das Vorgehen – oder setzen es bereits bei Ihren eigenen Projekten ein. BIM, so viel ist sicher, steht exemplarisch für die Digitalisierung der Branche. Denn es zeigt sich, dass schon der Einsatz von BIM in Teilbereichen („little BIM“) erhebliche Kosten- und Zeitvorteile bietet und als BIM-Einstieg geeignet ist.

2. Mobiles Arbeiten

Immer mehr Unternehmen erkennen die Effizienzpotenziale des vernetzten und mobilen Arbeitens und setzen dies bereits in Teilen um. So nutzen laut der BRZ-Studie schon etwa 68 Prozent der befragten Unternehmen in der Baubranche mobile Endgeräte als Arbeitsmittel, zum Beispiel zur Erstellung des Aufmaßes, zum Erfassen von Nachträgen oder zur Abnahme von Bauprojekten. Doch obwohl mobile Endgeräte in der Baubranche bereits weitverbreitet sind, spielen sie für kaufmännische Abläufe nur eine geringe Rolle. Das überrascht, denn auch hier können Kosten gesenkt und die Effizienz gesteigert werden, zum Beispiel mit einer mobilen Stundenerfassung auf Baustellen. Hand aufs Herz: Wie sieht es in Ihrem Unternehmen aus? Wo setzen Sie bereits mobile Endgeräte ein?

3. Digitale Workflows 

Die Umstellung auf digitale Abläufe im Baubetrieb spart also nicht nur Zeit und Kosten, sondern erhöht auch die Transparenz. Ein Beispiel: In vielen Unternehmen ist es in der Buchhaltung üblich, Dokumente in Papierform in Ordnern abzulegen. Allerdings: Durch gesetzliche Vorgaben und die zunehmende Digitalisierung auch bei Ämtern und Behörden sind Bauunternehmen angehalten, auf elektronische Verfahren wie Dokumenten-Management-Systeme (DMS) umzusteigen. Das sorgt zum Beispiel für die einfache Archivierung und das schnelle Auffinden von Belegen. Auch Belegabläufe wie die Rechnungsprüfung lassen sich als Workflows integrieren. Damit ist der Verlust von Belegen ausgeschlossen, und die Zeit für die Bearbeitung wird auf ein Minimum reduziert.

4. Cloud Computing

Obwohl die Cloud in vielen anderen Branchen inzwischen zum Standard gehört, wird sie in der Baubranche noch nicht durchgängig genutzt. Doch die Akzeptanz steigt. Kein Wunder, schließlich gibt es für den Einsatz überzeugende Argumente: Software-Anwendungen sind an jedem Ort verfügbar, IT-Updates und Wartungsaufgaben entfallen. Zudem ist die Nutzung von Cloud Computing, sei es in der Variante der öffentlich zugänglichen „Public Cloud“ oder in der lokal abgegrenzten Form einer „Private Cloud“, eine Grundvoraussetzung für den Wunsch nach mobilen und vernetzten Arbeitsmethoden. Hier zwei Beispiele für mögliche Einsatzgebiete:

Mobiles Bau- und Projektmanagement:

Vom Architekten bis zum Heizungsinstallateur: Durch den Einsatz der Cloud ermöglichen Sie eine reibungslose Zusammenarbeit und lückenlose Kommunikation zwischen allen am Bau beteiligten Gewerken.

Aktive Projektleitung

Über ein cloudbasiertes Projektmanagement-Tool können Sie wichtige Zahlen immer und überall abrufen. Zudem stehen alle Projektinformationen allen Beteiligten jederzeit zur Verfügung.

5. Business Intelligence 

Die Digitalisierung beschleunigt die Arbeitswelt. Führungskräfte müssen zeitnah und Mitarbeiter mit stetig wachsender Eigenverantwortung entscheiden. Eine notwendige Voraussetzung liegt in der Verfügbarkeit der richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sowohl an der Unternehmensspitze als auch auf Bauleiter- oder Polierebene. Hier besteht in vielen Unternehmen noch großer Nachholbedarf. Ein geeignetes Mittel, diese Herausforderungen zu meistern, sind moderne Business-Intelligence-Lösungen. Diese liefern aktuelle und valide Informationen, indem sie alle relevanten Projekt- und Unternehmensdaten aus verschiedenen Datenquellen verknüpfen und zu aussagekräftigen Entscheidungsgrundlagen verdichten: bedarfsgerecht, interaktiv und mobil. Vielfältige dynamische Auswertungen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln ermöglichen eine neue Qualität der aktiven Steuerung, von der einzelnen Baustelle bis hin zum gesamten Unternehmen.

6. Neue Kommunikationswege

Die Projektziele mit Blick auf Kosten, Zeit und Qualität scheitern nicht selten an mangelnder Kommunikation. Die Suche nach Informationen, überarbeiteten Plänen oder anfallenden Korrekturen verursacht Zeitverluste und Zusatzkosten. Der Schritt in die Digitalisierung spart somit Zeit und Geld: Die Baupläne, Formulare und Checklisten liegen in digitaler Form vor, lassen sich nach genau zugeordneten Rechten über ein zentrales System verwalten und können von allen Beteiligten jederzeit genutzt oder bearbeitet werden. Dies vereinfacht die Kommunikation, spart Zeit und Kosten und sorgt für bessere Zusammenarbeit mit Blick auf den gemeinsamen Projekterfolg. Virtuelle Projekträume sorgen außerdem über das Internet für eine bessere Kommunikation zwischen allen Projektbeteiligten und über Unternehmensgrenzen hinweg. Die Hauptnutzen solch einer virtuellen Community liegen auf der Hand: Aktualität, Geschwindigkeit, Dokumentation, Transparenz und Rechtssicherheit und damit eine höhere Qualität und Kostenersparnis im Bauprozess. Auch wegen der zunehmenden Verbreitung von BIM (s. o.) werden derartige Systeme in Zukunft verstärkt zum Einsatz kommen.

7. IT-Sicherheit

Eine der größten Herausforderungen der Digitalisierung stellt die IT-Sicherheit dar. Schon jetzt ist unsere Arbeitswelt ohne Internet, E-Mail oder externe Datenquellen wie USB-Sticks nicht mehr denkbar. Um die Chancen der Digitalisierung in vollem Umfang zu nutzen, sind weitreichende Konzepte zur IT-Sicherheit erforderlich. Die meisten Unternehmen sind sich dessen bewusst und haben bereits Maßnahmen eingeleitet – allerdings mit gravierenden Sicherheitslücken. Denn der Fokus der Aktivitäten liegt vor allem auf technischen Lösungen zur Abwehr von Viren, Trojanern & Co. Das sorgt zwar für einen gewissen Grundschutz. Doch für die IT-Sicherheit ist nicht allein die IT-Abteilung zuständig. Entscheidend ist der jeweilige Mensch am Computer, Tablet oder Smartphone. In der Abwehr von Malware sind also vor allem auch organisatorische Maßnahmen wie Back-up-Systeme zur schnellen Systemwiederherstellung und intensive Schulungen der Mitarbeiter notwendig. Denn erst wenn bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Baubetrieb das Bewusstsein für IT-Sicherheit vorhanden und das richtige Verhalten sichergestellt ist, lassen sich Angriffe dieser Art abwehren und der reibungslose Betrieb aufrechterhalten.

8. Erfahrung durch Umsetzung

Die letzten sieben Punkte zeigen auf, wo es in der Baubranche Potenziale durch Digitalisierung gibt. Die Ansatzpunkte für den Einstieg oder den weiteren Ausbau sind in allen baubetrieblichen und kaufmännischen Prozessen gegeben. Jetzt heißt es, sich die entscheidende Frage zu stellen:

Wie steht es um die Digitalisierung Ihres Unternehmens? Denken Sie daran: Wenn Sie jetzt Ihre Digitalisierungsstrategie systematisch in Angriff nehmen, können Sie Erfahrungen aufbauen und sich damit nachhaltige Marktvorteile sichern.