Energiebranche: Diese vier Faktoren spielen die Hauptrolle

Nur mit der erfolgreichen Digitalisierung wird die deutsche Wirtschaft fit für die Zukunft. Und nur dank der Energiebranche lässt sich die anstehende Digitalisierung überhaupt bewältigen. Ganz klar: Ihre Branche ist Vorreiter und Antreiber in einem innovativen Umfeld. Damit dies auch künftig so bleibt, sollte die Strategie auf einem soliden Fundament aufgebaut werden. Überprüfen Sie, ob Ihr Unternehmen die folgenden vier Treiber der Digitalisierung ausreichend berücksichtigt: Effizienzsteigerung, Regularien, Optimierung und Kundenansprüche.

Die digitale Transformation betrifft nicht nur die Energiewirtschaft, generell löst die Digitalisierung bisherige Grenzen zwischen Wertschöpfungsstufen auf. Sie schafft neue Geschäftsmodelle, neue Wettbewerber, und sie lässt Kunden mit allen ihren individuellen Wünschen noch mehr im Mittelpunkt stehen. Deutlich wird dies durch disruptive Marktveränderungen im Endkundengeschäft, wie sie Unternehmen wie Amazon, Uber oder Netflix vorantreiben. Es zeigt sich, dass in Industrie und B2B-Geschäft die Bedeutung von Information in der Produktgestaltung in den Fokus rückt. Und das wird auch für Sie als Geschäftsführer eines Energieversorgers zunehmend relevant. Sicherlich werden Sie in Ihrem Endkundengeschäft immer wieder mit Schlagworten wie „Smart Home“ oder „Connected Building“ konfrontiert. Aber auch Überlegungen rund um das dezentrale Energiemanagement nehmen durch die technische Entwicklung konkrete Formen an. Nicht zu unterschätzen sind dabei die Synergieeffekte, die neben Serviceverbesserungen und Umsatzsteigerungen zu erzielen sind.

Eine Untersuchung des Wirtschaftsberatungsunternehmens Deloitte1 hat Möglichkeiten ermittelt, wo Unternehmen der Energiewirtschaft auf dem Weg zur Digitalisierung ansetzen können. 

  • Noch immer werden 90 % aller Rechnungen per Post an die Kunden versandt, obwohl praktisch alle Energieversorgungsunternehmen ihren Kunden mittlerweile digitale Rechnungen anbieten.
  • Der Wunsch nach Transparenz ist groß: Kunden wollen ihren Energieverbrauch mit anderen Kunden vergleichen können. Ein Großteil der Versorger bietet einen entsprechenden Service eingeschränkt oder gar nicht an.
  • Nur wenige Energieversorger bieten ihren Kunden die Möglichkeit, Dienstleistungen und Tarif selbst zusammenzustellen. Gemeinsame Produktentwicklungen mit den Kunden finden sogar kaum statt.

Natürlich sind nicht alle Unternehmen im gleichen Ausmaß von einem Digitalisierungsdruck betroffen, einige sind besser darauf vorbereitet als andere. Aber, und das muss auch allen Unternehmern klar sein: Um wirtschaftlich langfristig erfolgreich zu bleiben, sollten sich alle der digitalen Transformation stellen. Leicht gesagt, aber es bleibt die Frage: Wie bereitet man sich darauf vor? Hier hilft ein Blick auf die digitalen Versorger der Zukunft. McKinsey hat in einer Studie anhand eines Unternehmerbeispiels den digitalen Prozess eindrücklich skizziert.

Am Anfang steht die Big-Data-getriebene Abstimmung von Angebot und Nachfrage, um die Steuerung dezentraler Energieressourcen zu gewährleisten. Ein zentraler Datenpool ermöglicht dabei in Verbindung mit Smart Grid und Smart Pipes die risikobasierte Anlagenverwaltung. Außendienstmitarbeiter erhalten einen mobilen Zugang zu Karten, Daten und Arbeitsmanagement-Tools. Kundeninteraktionen werden durch Analyse von Customer Journeys, Segmentierung und einer persönlichen Ansprache gestützt. Eine Plattform dient zur Unterstützung dezentraler Energieressourcen und Marktplätze, die Netzlast lässt sich viel schneller und automatisiert situativ steuern. Im Backoffice findet schließlich die datengestützte Entscheidungsfindung statt.

Auch wenn sich Prozessabläufe in Ihrem Unternehmen im Detail unterscheiden, bleibt doch die Erkenntnis, dass es kaum eine Stellschraube gibt, die nicht durch Digitalisierung verändert werden kann.

Die erfolgreiche Digitalisierung der Energiebranche hat vier eindeutige Treiber:

Effizienzsteigerung durch Technologien

Energieversorgungsunternehmen können mit neuen Internetanwendungen wie Big Data Analytics, Cloud Computing oder mobilen Services ganz spezifischen Anforderungen der Digitalisierung begegnen. Mit zukunftsweisenden Technologien wie diesen lassen sich zum Beispiel die immer mehr zunehmenden dezentralen Erzeugungsanlagen automatisieren, besser steuern und koordinieren. Drei Ansätze sorgen für viel Potenzial:

  • Datenbasierte Analyse, Planung und Diagnose
  • Produktivitätshilfen für Mitarbeiter
  • Prozessautomatisierung

 

Diese digitalen Möglichkeiten zur operativen Verbesserung und Flexibilisierung erstrecken sich über die gesamte Wertschöpfungskette und sorgen laut McKinsey selbst bei konservativer Betrachtung zu einer Profitabilitätssteigerung von bis zu 30 %. Schöpfen Sie die entsprechenden Möglichkeiten bereits aus?

Regularien und gesetzliche Vorgaben

Jeder Industriezweig unterliegt einem regulatorischen Rahmen. Für die deutsche Energiebranche trifft dies sogar in einem besonderen Maße zu. So ist es kein Wunder, dass neben der Energiewende und der daraus resultierenden Flexibilisierungsnotwendigkeit auch neuere gesetzliche Vorgaben eine entscheidende Rolle spielen. Die Digitalisierung der Energiewirtschaft wird also zum Beispiel nachhaltig vom IT-Sicherheitsgesetz oder dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende beeinflusst. Entsprechen Ihre Prozesse den künftigen Vorgaben?

Optimierung von Geschäftsprozessen

Der Energiemarkt an sich wird zwar nicht größer, aber die Zahl der Anbieter steigt. Immer neue und zum Teil branchenfremde Unternehmen stoßen auf den deutschen Strom-, Gas- und Wärmemarkt. Dabei handelt es sich häufig um digitale Profis: Sie agieren plattformbasiert und etablieren sich zwischen dem Endkunden und dem Energieversorger. Dies bedeutet einen signifikanten Wandel für ein Asset-basiertes Geschäftsmodell. Das logische Resultat: Es müssen neue Produkte und Angebote entwickelt, getestet und etabliert werden. Die Zukunftsthemen lauten hierfür Smart Grid, Smart Home, Connected Building und eine dezentrale Erzeugung. Welche digitalen Neuentwicklungen stehen bei Ihnen an?

Nachfrage und Kundenansprüche

Individualisierte Ansprache, persönliche Angebote: Die Anforderungen der Kunden verändern sich. Ein digitaler Energiekunde erwartet eine andere Ansprache, die Anforderungen an die Unternehmen verändern sich. Darauf müssen sich die Unternehmen einstellen und entsprechend mit Produkten und Angeboten reagieren, die stringent auf die neuen Bedürfnisse der digitalen Kunden ausgerichtet sind. Wie flexibel können Sie auf die neuen Anforderungen reagieren?

An welcher Stellschraube Sie auch zuerst drehen, eines ist sicher: Die Digitalisierung wird Sie auch künftig dabei unterstützen, mit innovativen Lösungen den technologischen Fortschritt in Ihrem Unternehmen anzutreiben. Starke Partnerschaften, neue Netzwerke und der Aufbau von Know-how werden Ihnen dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen. Neue Mitspieler brauchen Sie dabei nicht immer als eine Bedrohung wahrzunehmen: Sie dienen auch als Beispiel dafür, wie mit einem neuen Denken bestehende Geschäftsmodelle fit für neue Ansprüche gemacht werden.