Wie die Digitalisierung das Bauen effizienter macht

Der Bausektor hat die Digitalisierung für sich entdeckt und verstanden, kein Weg führt daran vorbei. Dennoch, von einer Aufbruchsstimmung kann aber noch nicht die Rede sein. Großteils fehlen noch ganzheitliche Visionen, wie die digitale Transformation umgesetzt werden soll. Als CTO oder IT-Leiter haben Sie aber sicher schon schlagkräftige Argumente, welche handfesten Vorteile die Digitalisierung in der Baubranche mit sich bringt. Wir fassen sie hier noch einmal zusammen.

Die Baubranche: Nachholbedarf bei Digitalisierung

Gegenwärtig gibt es auf den meisten Baustellen noch viel Optimierungspotenzial in Sachen Digitalisierung. Laut Roland Berger nutzt ein Bauarbeiter beispielsweise nur 30 Prozent seiner Arbeitszeit für seine eigentliche Tätigkeit. Die restlichen 70 Prozent braucht er unter anderem fürs Auf- und Umräumen sowie für die Suche nach Werkzeug und Materialien. Sind für den Projektleiter Architekten, Lieferanten oder Spezialfirmen nicht ständig erreichbar, kann das den ganzen Bauprozess ins Stocken bringen. Das Warten auf Lieferungen, Maschinenstillstandszeiten, Lagerhaltung und ineffiziente Personalprozesse kosten ebenfalls unnötig Zeit und Geld.

Wie IT-Verantwortliche interne Prozesse beschleunigen und Gewerke vernetzen können

Potentiale birgt die Digitalisierung einige. Zum Beispiel gelingt es, Bauprojekte in höchster Qualität effizienter, schneller und kostengünstiger zu realisieren - wenn alle Akteure (Bauherr, Architekt, Bauträger, Projektleiter, Baustofflieferanten, Maschinenparks, Arbeiter etc.) optimal miteinander vernetzt sind und Prozesse so weit wie möglich elektronisch abgewickelt werden. Und hier kommen Sie als IT-Verantwortlicher ins Spiel: Es gilt, die entsprechenden elektronischen Infrastrukturen zu schaffen. Ferner müssen Mitarbeiter mit den erforderlichen (mobilen) Geräten ausgestattet und entsprechend geschult werden.

Die Vorteile der Digitalisierung lassen sich im Idealfall entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausspielen:

  • Elektronische Ausschreibungen: Öffentliche Bauaufträge werden heute bereits zum Großteil elektronisch ausgeschrieben – in Großbritannien und Italien sogar 100 Prozent der Bauprojekte mit einem Volumen über 90.000 Euro.[1] Das reduziert den Aufwand, steigert Transparenz und Effizienz und hilft Kosten sparen.
  • Die digitale Vermessung von Grundstücken mithilfe 3D-Lasern ermöglicht die gleichzeitige Erfassung von Abwasserkanälen, Wasserzuleitungen sowie Anbindungsmöglichkeiten an Strom- und Telekommunikationsnetze. Die gewonnenen Daten können direkt in digitale Tools für die Bauplanung übernommen werden.
  • Digitale Beschaffungsplattformen ermöglichen beim Einkauf der benötigten Baumaterialien Einsparungen von bis zu 5 Prozent. Unternehmen wie der schwedische Baukonzern Skanska oder der Werkzeughersteller Hilti setzen bereits heute umfassend auf Online-Beschaffungsprozesse.[2]
  • Intelligente Logistik: Digitale Lösungen ermöglichen eine bedarfsgerechte Lagerhaltung. Benötigte Baustoffe werden beispielsweise dann auf die Baustelle geliefert, wenn Sie benötigt werden. Das gewährleistet einen optimalen Materialfluss und hilft, Unterbrechungen in der Bautätigkeit zu vermeiden.
  • Die „smarte“ Baustelle: „Intelligente“ Baumaschinen und -fahrzeuge sind über das Internet der Dinge miteinander vernetzt und regeln selbstständig viele Abläufe auf der Baustelle. Das sorgt für einen zügigen Baufortschritt und verschafft den Arbeitern Zeit, sich um komplexere Aufgaben zu kümmern.
  • Cloud-Lösungen bilden das Herz eines digitalen Bauprojekts. Hier laufen alle Daten und Prozesse zusammen. Mit Laptops, Smartphones oder Tablets können alle Akteure den Baufortschritt in Echtzeit mitverfolgen und gegebenenfalls unverzüglich eingreifen.
  • 3D-Drucker erlauben nicht nur die Gestaltung lebensnaher und verkaufsfördernder Gebäudemodelle für Marketing und Vertrieb, sondern auch die schnelle und passgenaue Fertigung von Bauteilen etwa aus Beton. Versuche in China zeigen: Für ein dreistöckiges Haus verringert sich die Bauzeit um 70 Prozent und der Materialaufwand um 60 Prozent.[3]
  • Bauroboter, die mit 3D-Bauplänen gespeist werden, lassen sich als autonome Maschinen etwa dort einsetzen, wo es für die Arbeiter zu gefährlich ist. Sie helfen, die Bauzeit zu verkürzen und Kosten zu sparen. MIT-Wissenschaftler haben eine derartige Digital Construction Platform entwickelt, den Prototypen eines gewaltigen Bauroboters, der u. a. auch mit Sonnenenergie betrieben werden kann.
  • Digitale Lösungen beschleunigen Bestell-, Abrechnungs- und Qualitätsprozesse. Der Anwender hat alle benötigten Daten gebündelt auf einer intuitiven Benutzeroberfläche. Dank zentraler Datenhaltung müssen Daten nur einmal eingegeben werden und stehen dann durchgängig auf allen Plattformen bereit. Dies reduziert zusätzlich die Wahrscheinlichkeit, dass sich Fehler einschleichen.

 

Digitalisierung entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit

Die digitale Transformation im Bausektor erfolgt schrittweise– aber unaufhaltbar. Bauträger, Baustoff- und Maschinenlieferanten haben aber jetzt bereits Möglichkeiten, Prozesse nach und nach auf digitale Technologien umzustellen. Sie als IT-Verantwortlicher können wesentlich dazu beitragen, viele Abläufe effizienter, produktiver und wirtschaftlicher zu gestalten – von der Planung und Materialbeschaffung über die Ausführung bis hin zu Verwaltung, Marketing und Vertrieb. Wer sich hingegen heute keine Strategie für die digitale Transformation im eigenen Unternehmen zurechtlegt, läuft schnell Gefahr, im Wettbewerb mittelfristig den Anschluss zu verlieren.

BIM – Building Information Modeling

BIM ermöglicht bereits vor der Bauphase eine umfassende Simulation des geplanten Projekts, erlaubt präzise Kalkulationen und hilft Fehlplanungen zu vermeiden. In einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 2014 als Tool in Zusammenhang mit der Vergabe von öffentlichen Aufträgen empfohlen, ist die Nutzung bei öffentlichen Bauprojekten in Großbritannien, den Niederlanden, Dänemark, Finnland und Norwegen bereits verbindlich.

 

Digitalisierung im Bausektor: die aktuelle Situation

Laut einer Studie von Roland Berger zur „Digitalisierung der Bauwirtschaft“[4] sind 93 Prozent der Akteure in der Bauindustrie der Ansicht, die Digitalisierung würde die Gesamtheit ihrer Prozesse beeinflussen. Trotzdem nutzen weniger als 6 Prozent der Bauunternehmen digitale Planungsinstrumente vollständig. Eine Untersuchung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie e. V.  in Zusammenarbeit mit der Commerzbank besagt außerdem, dass die meisten Unternehmen digitale Technologien nutzen, um ihre betrieblichen Abläufe zu optimieren und langfristig Kosten zu sparen. Die Entwicklung neuer Angebote für Kunden und innovativer Geschäftsmodelle stehen bislang noch weniger im Fokus.[5]

 

[2] Roland Berger, THINK ACT BEYOND MAINSTREAM – Digitalisierung der Bauwirtschaft. Der europäische Weg zu „Construction 4.0“, 2016, S. 10

[3] Roland Berger, THINK ACT BEYOND MAINSTREAM – Digitalisierung der Bauwirtschaft. Der europäische Weg zu „Construction 4.0“, 2016, S. 11

[4] Roland Berger, THINK ACT BEYOND MAINSTREAM – Digitalisierung der Bauwirtschaft. Der europäische Weg zu „Construction 4.0“, 2016

[5] Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V., Digitalisierung in der Bauwirtschaft. Ergebnisse einer DIHK- und Commerzbank-Umfrage. 8/2016

 

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