Internet of (Rail) Things - Schienen werden digital

Durch die Ausstattung der Güterwagen mit digitalen Boxen ist eigentlich schon der erste und teuerste Schritt der IoT ‚Internet of Things‘ Reise getan. Die Daten lassen sich mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) jedoch für viele weitere sinnvolle Anwendungen nutzen.

Der Siegeszug der Eisenbahn beginnt 1825 in England und 1935 in Mitteleuropa. Nach nunmehr über 190 Jahren wird der sehr analoge Schienen-Güterverkehr ins digitale Zeitalter transformiert. Wir machen Güterwagen ‚smart‘.

In der 2. Hälfte der 2010er Jahre wurde begonnen, die ersten Güterwagen-Flotten mit ‚Telematik-Boxen‘ auszurüsten, um damit z.B. die aktuelle geographische Position an eine zentrale Plattform zu übermitteln. So konnten die Logistik und Kundeninformation (wo ist meine Lieferung/wann wird sie eintreffen) stark verbessert und die Effizienz gesteigert werden. Endlich weiß der Service-Verantwortliche, wie viele Kilometer der Güterwagen tatsächlich absolviert hat und kann so die Werkstatt-Intervalle besser planen.

Sensoren geben Auskunft über verschiedene Komponenten – z.B. Verschleiß der Bremsen, Beladungszustand/-gewicht, Türe offen/zu u.v.a. Jetzt werden bereits viele Daten gesammelt und meist wird versucht, diese in bestehende (leider selten miteinander kompatible) Systeme zu integrieren.

In der Digitalisierung eine umfassende ‚Asset Management Plattform‘ anzudenken, optimiert diese Datenanalysen. Diese Plattform verbindet nicht nur die Informationen der Güterwagen untereinander. Vernetzt mit allen sonstigen Daten von Infrastruktur, Werkstätten, Disposition und Logistik, Energieversorgung, usw. und mit Auswertung durch intelligente Analytik-Methoden können alle gegenseitig voneinander profitieren und die Effizienz des ‚großen Ganzen‘ deutlich steigern.

Mit den erwähnten Telematik-Boxen, ist eigentlich schon der erste und teuerste Schritt der IoT ‚Internet of Things‘ Reise getan. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) kann man die Daten noch für viele weitere sinnvolle Anwendungen nutzen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Projekt SmartCargo der Rail Cargo Austria, wo A1 Digital die Wagen ausgestattet hat und mit KI tiefgreifende Datenauswertungen und zusätzliche, effizienzsteigernde Lösungen realisiert.

Gesamteuropäische Initiativen, wie die Erneuerung der (ur-)alten Schraubenkupplung von Güterwagen, werden einen wesentlichen Beitrag leisten, die Abfertigung der Güterzüge zu beschleunigen und die Sicherheitsstandards – z.B. im Verschub - zu erhöhen. Wir wollen mit der bereits gestarteten IoT Reise den Schienen-Güterverkehr nicht nur insgesamt sicherer gestalten (etwa mit dem direkten Ansteuern elektro-pneumatischer Bremsen, um den Bremsweg des Zuges deutlich zu verkürzen), sondern auch wettbewerbsfähiger gegenüber anderen Transportmodi machen.

Schließlich ist der Frachttransport auf der Schiene die CO²-schonendste Cargo Option. Ohne starke Verlagerung von Verkehren von der Straße auf die Schiene wird das Erreichen der Klimaziele nicht möglich sein, was auch eine Vielzahl von Initiativen (wie: Shift2Rail, Rail Freight Forward, Noah’s Train, …) zeigt. Die Digitalisierung ist auf Schiene – für die Optimierung der Datennutzung und -vernetzung gilt es noch, die richtigen Weichen zu stellen.

 

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Jürgen Rudolf, Portfolio Management & Innovation bei A1 Digital

Jürgen Rudolf ist seit mehr als 20 Jahren in der Verkehrs-Telematik tätig. Er war fast 10 Jahre im Vorstand des ATTC (Austrian Traffic Telematic Cluster) und mehr als 4 Jahre im Board von ITS-Austria. Seine wichtigsten Stationen waren bei der Kapsch TrafficCom, dem Rat für Forschung und Technologieentwicklung, der Rail Cargo Group als Head of Innovation und nun bei der A1 Digital als Verantwortlicher für Portfolio Management und Innovation.
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