nenna.ai wurde 2023 in Berlin von einem vierköpfigen Team mit besonderer Expertise in Natural Language Processing und Machine Learning gegründet. Das AI-Privacy-Startup widmet sich einer Herausforderung, die Unternehmen zunehmend unter Druck setzt: Wie lässt sich die Leistungsfähigkeit großer Sprachmodelle nutzen, ohne sensible Daten preiszugeben? Die Antwort ist eine KI-Datenschutzplattform, die personenbezogene und vertrauliche Informationen in Echtzeit maskiert, bevor sie ein Modell erreichen, und die Antwort des Modells anschließend vollständig lesbar zurückübersetzt. Das Modell sieht nur anonymisierte Datenpunkte, die Nutzer erhalten Ihre Ergebnisse im Klartext. Die gesamte Plattform läuft auf der europäischen Cloud-Infrastruktur von Exoscale, mit Serverstandorten in Deutschland und ohne Datentransfer in Drittstaaten.
Das Angebot von nenna.ai besteht aus vier Produkten:
Den Legal-Tech-Award beim German Legal Tech Hub als bestes Legal-Tech-Startup Deutschlands 2025 und den ATHENE Award des Fraunhofer Instituts als eines der drei führenden Cybersecurity-Startups im DACH-Raum hat das Unternehmen bereits gewonnen.
Schatten-KI ist in Unternehmen längst kein Randphänomen mehr. Mitarbeitende laden Dokumente in öffentliche KI-Chats, stellen Fragen zu Kundenprojekten oder lassen Verträge zusammenfassen, und dabei landen vertrauliche Informationen auf Servern, die das Unternehmen weder kennt, noch kontrolliert. Dr. Max Flöttmann, CTO und Mitgründer von nenna.ai, benennt das Grunddilemma: „Tonnenweise Unternehmensdaten landen in freien öffentlichen Accounts, weil das den Mitarbeitenden am Arbeitsplatz hilft. Und wenn man nicht gleichzeitig den KI-Einsatz reguliert und andererseits effizientes Arbeiten mit KI ermöglicht, verliert man seine Daten.“
Wer Mitarbeitenden KI grundsätzlich verbietet, treibt die unkontrollierte Nutzung erst recht voran. Die Antwort von nenna.ai ist deshalb nicht Einschränkung, sondern gesteuerte Freigabe. Unternehmen erhalten eine Plattform, die KI produktiv zugänglich macht, ohne die Kontrolle über ihre Daten aufzugeben. Um dieses Versprechen gegenüber Unternehmenskunden zuverlässig einzuhalten, benötigt nenna.ai eine Infrastruktur, die dieselben Anforderungen erfüllt.
Als das Team Anfang 2024 begann, die Plattform aufzubauen, stellte Hetzner Teile der Infrastruktur bereit. Das Angebot reichte für erste Entwicklungsschritte, stieß aber schnell an Grenzen. nenna.ai musste die gesamte Cluster-Infrastruktur vollständig selbst aufbauen und betreiben, Datenbanken liefen auf eigenen Servern, und skalierbare Managed Services fehlten. Für ein kleines Team, das seine Engineering-Kapazität vollständig in die Produktentwicklung stecken wollte, war das auf Dauer keine tragfähige Grundlage.
Ein amerikanischer Hyperscaler schied als Alternative von vornherein aus. Wer seinen Kunden verspricht, ihre Daten auf europäischer Infrastruktur zu schützen, kann diese Daten nicht US-Unternehmen anvertrauen. Aus früheren beruflichen Stationen kannte das Team außerdem das Phänomen, das Flöttmann den „goldenen Käfig“ nennt. Ein Anbieter beginnt mit einem praktischen Service, dann kommt der nächste, dann noch einer, und irgendwann ist das System so tief im Ökosystem eines einzigen Anbieters verwurzelt, dass ein Wechsel faktisch unmöglich geworden ist. Offene Standards und Portabilität waren für nenna.ai deshalb von Anfang an nicht verhandelbar.
Im Vergleich mehrerer Anbieter setzte sich Exoscale, der europäische Cloud-Infrastruktur-Anbieter von A1 Digital, aus mehreren Gründen durch. Anders als bei vielen Mitbewerbern konnte das Entwicklungsteam sofort Dienste und Prozesse testen, ohne zunächst mehrere Verkaufsgespräche zu durchlaufen. Wenn der reguläre Support nicht weiterhalf, waren Engineers direkt erreichbar, die Probleme umgehend lösen konnten. Weil Exoscale auf offenen Standards aufbaut, ist nenna.ai nicht an einen einzigen Anbieter gebunden. Das Unternehmen kann jederzeit einen weiteren Anbieter hinzuziehen oder wechseln, ohne dafür spezialisiertes Know-how für eine proprietäre Plattform aufbauen zu müssen. Flöttmann fasst die Entscheidung zusammen: „Exoscale funktioniert aus meiner Perspektive wie ein Hyperscaler, zumindest für uns als Unternehmen. Und ich kann es genauso einfach verwenden, wie ich vorher gewohnt war, AWS zu verwenden. Dass Exoscale eine europäische Infrastruktur bereitstellt, ist für ein Unternehmen wie nenna.ai kein Nebenaspekt, sondern der entscheidende Unterschied.“
nenna.ai nutzt heute mehrere Exoscale-Dienste für den Betrieb seiner Plattform. Den Kern bildet eine verwaltete Container-Infrastruktur, auf der die gesamte Anwendungslogik betrieben wird. Dazu kommen cloudbasierter Objektspeicher für die Datenhaltung sowie verwaltete Datenbanken.
Die Echtzeitmaskierung stellt besondere Anforderungen an Latenz und Rechenkapazität. Während ein Nutzer tippt, muss das System sofort erkennen, ob personenbezogene oder vertrauliche Daten das Unternehmen zu verlassen drohen. Dafür setzt nenna.ai auf spezialisierte, kleinere KI-Modelle, die deutlich schneller reagieren als ihre großen Pendants.
Dank Exoscale konnte nenna.ai auch den Funktionsumfang von NENNA Chat erweitern. Die Lösung verfügt nun über eine Cloud-Instanz auf Exoscale, die es dem Modell erlaubt, direkt mit hochgeladenen Dateien zu arbeiten, also Dokumente zu erstellen, Excel-Tabellen zu analysieren oder Unternehmensvorlagen zu befüllen, während die Maskierungsschicht durchgehend aktiv bleibt.
Seit dem Start auf Exoscale Anfang 2025 hat nenna.ai seine Infrastruktur um mindestens das Zwanzigfache ausgebaut. Was mit wenigen Instanzen begann, ist heute eine vollständige, skalierende Cloud-Infrastruktur, die mit den Anforderungen der Plattform gewachsen ist. Kunden wie Duisport, der größte Binnenhafen Europas, die Mazak Mediengruppe und die IWB nutzen die Plattform, teilweise bereits unternehmensweit.
Die Engineering-Kapazität von nenna.ai, die früher in den manuellen Infrastrukturbetrieb geflossen wäre, fließt heute vollständig in die Produktentwicklung. Für ein kleines Team wiegt das schwerer als die ebenfalls signifikante Kostenersparnis. Dass dieser Gewinn von Anfang an spürbar war, führt Flöttmann auf die Art der Zusammenarbeit zurück: „Der Support hat sich vom ersten Tag an als sehr hilfreich erwiesen. Es war immer eine sehr angenehme Zusammenarbeit auf Augenhöhe.”
nenna.ai arbeitet an der Erweiterung der Maskierung auf externe Datenquellen und erwirbt parallel weitere Zertifizierungen. Nach der vorhandenen Zertifizierung gemäß ISO 27001 beginnt das Unternehmen im Herbst 2026 mit ISO 42001, dem KI-spezifischen Standard für Modelltransparenz. Auf der Infrastrukturseite entwickeln nenna.ai und Exoscale die Zusammenarbeit gemeinsam weiter, um mit Wachstum und Funktionsumfang der Plattform Schritt zu halten.